Smart City, E-Akte und intelligente Mülltonnen: Die Digitalisierungsstrategie der Stadt Augsburg

13.08.2019 16:33 | Bürgerservice & Rathaus

Bürgerinnen und Bürger wollen immer mehr digital kommunizieren und Verwaltungsleistungen online in Anspruch nehmen. Um dieser Erwartungshaltung gerecht zu werden, hat die Stadt Augsburg eine Digitalstrategie entwickelt. Ein Zwischenbericht.

Ein Baustein der Digitalisierungsstrategie: Das Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg ermöglicht die Online-Rechcherche von Beschlüssen und Beschlussvorlagen über eine Suchfunktion.

Das im August 2017 in Kraft getretene Onlinezugangsgesetz (OZG) des Bundes gibt es vor: Alle Verwaltungsdienstleistungen sollen perspektivisch bis Ende 2022 auch digital angeboten werden. Der Stadtrat hat deshalb im Juli 2018 die Stadtverwaltung beauftragt, eine Digitalisierungsstrategie auszuarbeiten. „Alle Projekte, die wir im Kontext der Digitalisierung begleiten und voranbringen, müssen sich daran messen lassen, ob sie unseren Auftrag der Daseinsfürsorge für alle Bürgerinnen und Bürger fördern“, so der für Digitalisierung zuständige Stadtdirektor Frank Pintsch. „Es gilt die Zusage des Oberbürgermeisters, dass niemand zurückgelassen wird. Auch beispielsweise ältere oder eingeschränkte Menschen werden weiterhin alle Leistungen in Anspruch nehmen können und ergänzend von uns bei den Herausforderungen der Digitalisierung unterstützt. Vor allem die großen Chancen zur besseren Teilhabe, die die neuen Technologien bieten, wollen wir nutzen.“

Mit Sicherheit digital
Die Sicherheit von sensiblen Daten ist dabei ein besonderer Schwerpunkt der Strategie. So wird etwa in Augsburg ein zweites städtisches Rechenzentrum entstehen, um die Infrastruktur noch sicherer zu machen. Somit ist die Basis gelegt für Projekte, die im Rahmen der Digitalisierungsstrategie in den Bereichen IT-Infrastruktur, Verwaltung und „Smart City“ bereits laufen oder geplant sind. Manche, wie die E-Akte, verbessern interne Abläufe und öffnen die Verwaltung für flexible, moderne und dezentralisierte Arbeitsweisen. Pintsch: „So positionieren wir uns auch als sichere und zugleich moderne, dynamische Arbeitgeberin auf einem immer stärker umkämpften Arbeitsmarkt. Wer sich für gesellschaftliche Anliegen wie Soziales, Umwelt, Bau oder Kultur und zugleich eine moderne Arbeitsumgebung interessiert, ist bei der Stadt als Arbeitgeberin richtig.“

Smart City: Technologie intelligent nutzen
Die vor kurzem eingerichtete Geschäftsstelle „Smart City“ hat das Ziel, positive Aspekte der neuen Technologien für die Stadtgesellschaft zu fördern und als Impulsgeber und Förderer zu wirken. Auch eine noch stärkere Vernetzung von Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft sowie Stadt und Umland wird angegangen. Vieles ist hier an „smarten“ Anwendungen denkbar: Funkende Mülltonnen, die ihre Füllhöhe melden; Sensoren in Pflanzkübeln, die die Feuchtigkeit messen – oder QR-Codes auf Medikamenten, welche Pflegekräften in Altersheimen die Dokumentationspflicht erleichtern. In Pilotprojekten sollen in Augsburg „Smart City“-Anwendungen erprobt werden, auch an eine enge Zusammenarbeit mit andern Städten ist dabei gedacht.

Über 200 Projekte perspektivisch auf den Weg gebracht
In der Stadt Augsburg laufen bereits rund 200 Projekte, die sich mit der Digitalisierung von Verwaltungsleistungen für den Bürger beschäftigen.

  • Voraussichtlich Ende 2019 wird die Stadtverwaltung die Software-Lösung OTS Bau stadtweit nutzen. Bauanträge können dann sternförmig und parallel an alle zuständigen Ämter gesendet werden. Vorteil: Gestellte Anträge durchlaufen das Genehmigungsverfahren schneller und transparenter.
  • Das Ratsinformationssystem ermöglicht es schon seit einiger Zeit allen Interessierten in der Stadt Beschlüsse und Beschlussvorlagen des Stadtrates über eine Suchfunktion aufzufinden. So ist eine große Transparenz bei der Arbeit des Stadtrats hergestellt worden.
  • Das Geoportal der Stadt Augsburg vereint sämtliche Rauminformationen in einem digitalen Stadtplan, wie zum Beispiel Bebauungspläne, Wasserkarten, historische Karten etc.
  • Ein Baumkataster erfasst perspektivisch alle Bäume im Stadtgebiet.
  • Aktuell denkbar wäre auch eine Vernetzung der Parkplätze am Zoo mit Sensoren und einem Parkleitsystem, um den belastenden Parkplatzsuchverkehr zu minimieren und den Verkehr zu lenke.
  • Eine digitale Gründerlandkarte vernetzt und unterstützt Gründerinnen und Gründer

Kooperation der drei größten Städte in Bayern
Zur besseren inhaltlichen und strategischen Vernetzung ist die Stadt Augsburg eine Kooperationsvereinbarung mit München und Nürnberg eingegangen. Die drei größten Städte in Bayern unterstützen sich bei der Digitalisierung ihrer Verwaltungen. Neben einem inhaltlichen Austausch zu bereits durchgeführten Projekten, entsteht auch eine strategische Allianz, um eine umfassendere Unterstützung von Bund und Land einzufordern.

Zum Hintergrund:Von 575 Verwaltungsleistungen, die laut Onlinezugangsesetz (OZG) digitalisiert werden müssen, werden 115 direkt vom Bund durchgeführt. Somit wird der weit überwiegende Teil (460 Leistungen) durch die Kommunen (und Länder) vollzogen. Auch werden durch Landes- und Bundesrecht Vorgaben zur Vorgehensweise der Digitalisierung gemacht. So sollen beispielsweise Basis-Dienste möglichst in einem zentralen und länderübergreifenden Portal abgewickelt werden. Mit der Kooperationsvereinbarung versprechen sich Augsburg, Nürnberg und München mehr Information zu Perspektiven und Strategien des Bundes und des Freistaats, um sich bewusst danach richten zu können. Stadtdirektor Pintsch betont: „Die Kommunen sind das Gesicht der bayerischen Verwaltung. Die Digitalisierung wird uns dabei helfen, durch eine moderne Verwaltung die Daseinsvorsorge für alle zu gewährleisten und die hohe Lebensqualität in unserer Stadt zu fördern.“ (pm/grr)